Weinwissen
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Weinbau & Begriffskunde
Oechslegrade (°Oe) geben das Mostgewicht an, den Zuckergehalt im unvergorenen Traubensaft. Gemessen wird, um wie viel Gramm ein Liter Most schwerer ist als ein Liter Wasser. Je reifer die Trauben, desto höher der Oechslewert – und damit auch das Potenzial für Alkoholgehalt und Qualität.
Eine Cuvée ist eine Verschnittweinsorte, ein Wein, der aus mehreren Rebsorten oder verschiedenen Lagen zusammengestellt wird. Ziel ist es, durch die Kombination ein harmonischeres oder komplexeres Geschmacksbild zu erzeugen.
Die Lage bezeichnet das genaue Anbaugebiet einer Rebe – vergleichbar mit einer Adresse für Wein. Bekannte Einzellagen wie der "Würzburger Stein" oder der "Forster Jesuitengarten" stehen für besondere Qualität, weil Boden, Sonneneinstrahlung und Mikroklima dort ideal zusammenspielen.
Diese Prädikate richten sich in Deutschland nach dem Mostgewicht (Oechsle) zur Lesezeit:
- Kabinett: leichte, frische Weine aus normal reifen Trauben
- Spätlese: aus später gelesenen, vollreifen Trauben – intensiver im Geschmack
- Auslese: aus besonders reifen, von Hand selektierten Trauben
- Beeren-/Trockenbeerenauslese: edelsüße Spezialitäten aus überreifen oder edelfaul gewordenen Beeren
Inhaltsstoffe & Geschmack
Restzucker ist der natürliche Fruchtzucker, der nach der Gärung im Wein verbleibt. Also vom Hefepilz nicht zu Alkohol umgewandelt wurde. Er bestimmt maßgeblich, ob ein Wein als trocken, halbtrocken, lieblich oder süß wahrgenommen wird.
"Trocken" beschreibt nicht das Mundgefühl, sondern den geringen Restzuckergehalt. Ein trockener Wein kann durchaus fruchtig schmecken. Die Süße der Frucht kommt dann von Aromen, nicht von dem Fruchtzucker.
Tannine (Gerbstoffe) stammen aus Schalen, Kernen und Stielen der Trauben sowie teilweise aus dem Holzfass. Sie sorgen für das pelzige Gefühl im Mund und sind besonders in Rotweinen prägend. Tannine geben Struktur und tragen zur Lagerfähigkeit bei.
Sulfite (Schwefeldioxid, SO₂) werden seit der Antike zur Konservierung von Wein eingesetzt. Sie schützen vor Oxidation und unerwünschten Mikroorganismen. Ab 10 mg/l muss der Hinweis "enthält Sulfite" auf dem Etikett stehen – das gilt für nahezu alle Weine.
Üblicherweise zwischen 8 und 15 Volumenprozent. Leichte Weißweine (z. B. Riesling Kabinett) liegen oft bei 8–11 %, kräftige Rotweine aus warmen Anbaugebieten erreichen 14–15 %.
Weinlagerung
Wein mag es kühl, dunkel, ruhig und konstant. Die fünf wichtigsten Faktoren:
- Temperatur: ideal 10–14 °C, möglichst konstant
- Luftfeuchtigkeit: 60–75 % – damit Korken nicht austrocknen
- Licht: dunkel lagern – UV-Licht beschädigt Wein
- Lage: liegend, damit der Korken befeuchtet bleibt
- Ruhe: keine Erschütterungen oder Vibrationen
Nur Weine mit Naturkorken sollten liegend lagern, damit der Korken nicht austrocknet. Weine mit Schraubverschluss oder Glaskorken können problemlos stehend aufbewahrt werden.
Für die kurzfristige Aufbewahrung (wenige Tage bis Wochen) ist der Kühlschrank in Ordnung. Für längere Lagerung ist er ungeeignet: Die Temperatur ist zu niedrig, die Luft zu trocken, und Vibrationen sowie Gerüche können den Wein beeinträchtigen.
Geeignete Alternativen sind ein kühler, dunkler Vorratsraum, ein Schrank an einer Außenwand im Norden oder ein Weinklimaschrank. Vermeiden Sie Standorte neben Heizung, Kühlschrank oder Waschmaschine.
Haltbarkeit & Reifung
Das hängt stark vom Weintyp ab:
Nein – das ist ein häufiger Irrtum. Über 90 % aller Weine sind für den baldigen Genuss konzipiert und gewinnen durch Lagerung nicht an Qualität. Nur ausgewählte, hochwertige Weine mit ausreichend Säure, Tannin oder Restzucker entwickeln durch Reifung Komplexität.
Anzeichen für einen Wein über seinem Höhepunkt:
- Bräunliche Farbe bei Weißwein, ziegelrot/orange bei Rotwein
- Schal, oxidierte Aromen (Sherry-Note bei Weißwein, sofern nicht erwünscht)
- Essig- oder Klebstoff-ähnlicher Geruch
- Flacher, fader Geschmack ohne Frucht
- Schaumwein: 1–2 Tage (mit Sektverschluss)
- Weißwein/Rosé: 3–5 Tage im Kühlschrank
- Rotwein: 3–5 Tage, kühl gelagert
- Süßwein: bis zu 2 Wochen
- Portwein/Sherry: 2–4 Wochen
Tipp: Eine Vakuumpumpe oder Inertgas (z. B. Coravin) verlängert die Haltbarkeit deutlich.
Ein Korkschmecker (TCA-Belastung) entsteht durch eine chemische Verunreinigung im Naturkorken. Der Wein riecht und schmeckt muffig, nach feuchter Pappe oder Keller. Betroffene Flaschen können beim Händler reklamiert werden.
Servieren & Genießen
Füllen Sie das Glas nur etwa zu einem Drittel, bei großen Gläsern sogar weniger. So bleibt genug Raum, damit sich die Aromen über der Weinoberfläche sammeln und beim Schwenken entfalten können. Ein randvolles Glas verschenkt dieses Aromaspiel und erschwert das Trinken.
Durch das Schwenken vergrößert sich die Kontaktfläche zwischen Wein und Luft. Das setzt Aromen frei und macht den Wein zugänglicher. Besonders bei jungen, kräftigen Rotweinen. Bei sehr alten oder sehr leichten Weinen sollte man eher zurückhaltend schwenken, um die feine Struktur nicht zu überfordern.
"Atmen lassen" meint den Kontakt mit Sauerstoff, der verschlossene Aromen öffnet. Allein die geöffnete Flasche bringt allerdings wenig: Die Luftkontaktfläche am Flaschenhals ist viel zu klein. Wirksam ist nur das Umfüllen in einen Dekanter oder das Schwenken im Glas.
Davon raten wir ab. Die schmelzenden Eiswürfel verwässern den Wein und verfälschen den Geschmack. Greifen Sie stattdessen zu einem Weinkühler mit Eiswasser oder zu speziellen, vorgekühlten Kühlstäben, die direkt ins Glas oder in die Flasche kommen, ohne den Wein zu verdünnen.
Die Faustregel lautet: leicht vor kräftig, trocken vor süß, jung vor alt und weiß vor rot. So wird der Gaumen nicht von Anfang an überfordert und jeder Wein kommt zur Geltung. Süße Dessertweine bilden den Abschluss.
Weingläser & Zubehör
Der Stiel ist kein Zierrat: Fasst man das Glas am Kelch, erwärmt die Handwärme den Wein und auf dem Glas bleiben Fingerabdrücke. Halten Sie das Glas daher immer am Stiel oder am Fuß – so bleibt die Trinktemperatur erhalten und der Blick auf den Wein klar.
Nicht zwingend – aber die Glasform beeinflusst den Geschmack messbar. Wer es einfach halten möchte, kommt mit drei Gläsern aus:
- Universal-Weißweinglas - auch für Rosé und leichte Rotweine
- Bordeaux-/Burgunder-Glas – für kräftige Rotweine
- Sektflöte oder bauchiges Sektglas – für Schaumweine
Am besten per Hand mit heißem Wasser, ohne Spülmittel oder mit sehr wenig geschmacksneutralem Mittel. Mit einem fusselfreien Mikrofasertuch polieren. Spülmaschinen-Rückstände können Aromen und Perlage beeinträchtigen.
Kellnermesser: klassisch, kompakt, ideal unterwegs
Hebelkorkenzieher: schnell und kraftsparend, gut für den Hausgebrauch
Glockenkorkenzieher: sicher für brüchige Korken alter Weine
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